Bootsbau

Bild von Johannes Potzler 2.000 gemalt. Boot: Geiler Keil, Eigenbau
(siehe
weiter unten)
Es gab einmal eine Zeit, da war ich Mitte 20, Student in Bonn, und es
kam eine
neue Methode auf, Boote zu bauen. Man arbeitete mit Abwicklungen der
Aussenhaut
aus Sperrholz und "naehte" diese an der Kimm und im
"Kielbereich" mit Kupferdraht zusammen. Dann symmetrisch in Form
bringen und Kimm und "Kiel" mit Polyester und Glasgewebestreifen Stueck
fuer Stueck verkleben, dann die Kupferdraehte entfernen und die Naehte
mit
langen Streifen Glasfasergewebe dauerhaft verbinden. Eine ziemliche
Sauerei,
wenn man nicht alles abklebt.
Ich dachte mir, das koenne man auch
spaeter noch
entfernen. Eher nicht. Aber bitte, es war das erste Boot, ich hatte nur
die
Abwicklungen, keine Bauanleitung, und ging 1975 ans Werk.
Das Sperrholz hatte ein Holzlieferant auf Lager, ein Kunde
hatte
das teure Zeug von Hechthout in den Niederlanden nicht abgeholt, daher
Sonderpreis fuer mich. 7 mm stark und das festeste Sperrholz, das ich
bis heute
in der Hand hatte. Viel zu schade fuer so ein Boot. Das Schaeften der
grossen
Platten hatte ich mir angelesen, einen grossen alten Tisch besorgt und
einen
Hobel und einen Schleifstein. Tatsaechlich brachte ich nach kurzer Zeit
vernuenftig
plane Schaeftungen zustande - dem alle halbe Stunde geschaerften
Hobelmesser
sei Dank. Dann habe ich die Planken das erste Mal verbunden. Mein
Bauplatz war mein Studentenzimmer, in der Mitte durch ein Glastuer
geteilt,
nach hinten aber zum Garten hin offen mit zwei Fenstern. Das war
wichtig, denn
dort musste das Boot hinaus und dann zu einer Garagentuer und von dort
durch
die Garage auf die Strasse.
Das Boot war mit ueber 5 m Laenge wohl doch etwas gross fuer die alte
Studentenbude, das Bett musste spaeter halb unter das Boot. Leider war
ich nie
ein Fan von Photos - wozu hat man ein Gedaechtnis. Es gab also nur
Photos, wenn
ein anderer sie machte. Einige Zeit spaeter hatte ich den Rumpf
zusammen, an
Bug und Spiegel und auch "unterwegs". Ein wabbeliges Ding, das dafuer
aber gut durch das Fenster in den Garten und von dort in die Garage zu
bugsieren war. Meine Mitbewohner waren froh, denn der Polyestergestank
der
ersten Zeit war wirklich furchtbar und Expoxi war noch nicht in Mode
und viel
zu teuer - Anfang der 70er. Ich hatte uebrigens das ganze alte Haus
gemietet
und Zimmer untervermietet. Sonst waere ich wohl geraedert worden ob
meiner
Ambitionen.
In der Garage wurde dann das vorbereitete Deck flach auf den Boden
gelegt, und
der zusammengeharzte, wabbelige Bootskoerper ueber Kopf darauf gesetzt,
fest
nach unten gedrueckt und dann mit dem Deck verklebt. Innen und aussen.
Mein
Holz war allerdings so steif, dass ich mir eine Grubenwinde von einer
Baustelle
leihen musste - und trotzdem bekam ich das Ding kaum zusammen. Dann war
endlich
ein fester Bootskoerper entstanden und konnte im Licht des Tages
betrachtet
werden.
Es folgte ein endloses Spachteln und Schleifen. Mast und Segel kaufte
ich
gebraucht von einem Hersteller, der nur eine Stunde entfernt arbeitete
- LIS.
Die hatten alles, was ich brauchte und waren sehr nett. Ich war noch
oefter
dort.
Nun kam die Frage: Wo sollte Boot segeln. Rhein?
Giftig
damals und zuviel Stroemung und Schiffe. Rurtalsperre und Mosel waren
jedoch
erreichbar in 1 bis 1,3 Stunden. Die Entscheidung nahm mir ein netter
aelterer
Segler ab, der sein Kielboot bei Koblenz auf der Mosel in einem Club
hatte. Der
fuhr an meiner Garage vorbei, fand meinen Eigenbau (ein Entwurf vom frühen Dr. Segger, nicht meiner)
verrueckt, spannend, besorgte mir einen Platz und eine Mitgliedschaft
und
damit war
ich an der Mosel installiert.
Segeln konnte ich schon, denn meine
Eltern hatten
ein Kielboot am Rursee.
Mein Boot erwies sich als recht rank, es schwamm so hoch auf, als
haette jemand
die Urmasse einer "Motte" vergroessert und die ^3-Regel nicht beachtet. Doch
ein
junger Mann vom Club fand das nur richtig sportlich - er war 470er
Segler und
in der Olympiaauswahl. Mit ihm kenterte ich gleich einmal in einem Gewitter vor der
Schleuse
bei Koblenz - und die Feuerwehr kam mit Tatuetata gerast, denn die Staustufe
war
tief! Wir hatten das Boot allerdings schon wieder aufgerichtet als die Profis eintrafen.
Der
470er
Segler hatte nicht mal nasse Fuesse bekommen!
Ein verrueckter Typ, der
spaeter
mit einem 420er (mit Zelt drauf in der Nacht) die Kueste Norwegens abgesegelt, im Boot geschlafen und
es dort
mit Stroemungen zu tun hatte, die er wohl nie mehr in seinem
Leben
erleben will. Prima Bursche, arbeitete als Verkäufer, um seinen
Sport zu
finanzieren.
Dieses erste Boot habe ich spaeter an einen jungen Mann verkauft, der
mit
seinem Vater am Neusiedlersee segeln wollte. Sie gewannen da nach
einigen
Kenterungen tatsaechlich ein blaues Band - nach seiner Aussage. Dann
verlor
sich die Spur dieses Bootes. Ich aber wusste: Nie mehr ein
Schnittmuster
zusammenkleben. Und ich wusste: Dabei soll es nicht bleiben, denn wer
einmal
selbst ein Boot gebaut hat, der will es noch einmal tun und erleben,
wie
das, was
er geschaffen hat, traegt. Diese ersten Momente sind unvergesslich.
Aber jetzt sollte es deutlich kleiner sein. Und da ich im Leben sowieso
meist
alleine unterwegs bin, spaeter auch verheiratet, schien mir ein Boot
von gerade
mal 3,3 m Laenge damals richtig. Ich war ja auch 20 kg leichter damals
mit
meinen 1,85 m Laenge. 75 kg, statt 95 kg heute. Und
ueberhaupt, ab
jetzt wollte ich meine Boote selbst entwerfen. Unten das Ergebnis:
Das Boot war zwar etwas aufwendig mit dem doppelten Boden, aber sehr
leicht aus
5 mm Sperrholz und schnell gemacht. Allerdings klassisch mit Stringern
auf
Spanten und dann mit Sperrholz beplankt, alle Naehte dann mit dem neuen
Epoxi
und Glasgewebeband zusaetzlich gegen Feuchtigkeit gesichert. Das ging
jetzt
alles schon flotter von der Hand.
Geld hatte ich damals als Student ohne BAFöG nur wenig und lebte
daher von
Ravioli und Elternbesuchen. Ich hatte später, nach Abitur und 2 Jahren bei der
Luftwaffe, zunaechst einen Studentenjob als Korrektor bei einer
Druckerei, dann
als Korrektor fuer den Bundestag und war spaeter fuer das Presse- und
Informationsamt der Bundesregierung auf Messen. Das war gut:
Eine Woche
auf der
Messe als Standleiter sicherte das Leben fuer einen Monat.
Also jetzt ein 3,3 m kurzes Boot. Mast und Segel waren von
einer LIS, zu
schwer eigentlich, aber ein leichterer Mast wäre zu teuer gewesen.
Leider auch
hier kaum Bilder, aber ich darf versichern, dass dieses Boot bei Wind
schoen
schnell wurde. Unbequem war es
natuerlich
auch, die Sitzerei auf der Kante war auf Dauer unbequem. Heute wuerde
ich das
Boote
einfach mit einem Deck komplett schliessen - habe ich spaeter mit einem anderen
Boot dieser Groesse am Ammersee auch tatsaechlich
germacht. Dazu spaeter mehr.
Aber in dem damaligen Alter war die
Sitzposition egal. Wichtiger war, dass das Boot auf einen alten Kaefer
oder R4
passte, aufs Dach, und ab nach Holland oder an den Rursee. Mosel
ansonsten.
Alles gut! Schwimmwesten braucht es nicht, dachte ich, bis mich die
Falsch genommene Welle eines Ausflugsdampfers mit Pullover und Jeans
ins Wasser warf. Als ein Kielboot kam, um mich zu "retten" (das kleine
Boot war mit Wind uns Stroemung sofort davon getrieben), war ich so
fertig, dass ich kaum die Heckleiter hochkam ohne Hilfe. Seit damals
immer Weste.
Das uebernaechste Jahr sah mich in einer kleinen gemieteten Halle mit
einem
neuen Projekt. Diesmal ein Doppelknickspant. 4,4 m lang, 1,2 m breit.
Der Bau
machte wenig Probleme, auch weil die Beplankung recht duenn ausfiel
nach meinem
Supersperrholz des ersten Bootes. Wieder 5 mm gutes, teures Bootsbausperrholz, das
man auch
sattelfoermig Biegen kann mit Gewalt. Das machte aber leider
zusaetzlich duenne
Bodenbretter noetig. Dafuer war das Deck vorne sehr steif unterstuetzt,
denn
ich hatte einen Platz im Club, wo ich das Boot von Land und von vorne
betreten
musste, wenn es von der Rollrampe runter war und schwamm.
Das "von
vorne" war die einfachste Methode, aber auch eine wirklich kipplige
Angelegenheit. Machbar nur, wenn nur das Deck auch steif genug fuer
einen
kleinen Huepfer war.
Dieses Boot war reichlich uebertakelt und sehr schnell, wenn jemand
fuer
das Trapez greifbar war. Ich habe bis heute kein Boot gesegelt, das
schneller
Ist. Es war einem Fireball aehnlich, der auch recht schnell sein soll,
bin ich
leider nie selbst gesegelt. Mein Boot erhielt wegen des Speeds den
Namen
"Um Gottes Willen". Den Namen musste ich auf Wunsch der Clubleitung
aber leider schon bald aendern. Es hiess dann nur noch "mc^2". Das
gefiel besser und war auch für mich ok. Unten das fertige Boot.
Dann war die Zeit des Segelns erst einmal vorbei, denn ich hatte das
Drachenfliegen fuer mich entdeckt. Mit einer dummen Kombination:
Gebrauchte
Drachen und kaum Geld!
Gott sei Dank bin ich mit diesen Kruecken nie von wirklich hohen Bergen
oder in
der
Thermik geflogen, kann ich heute sagen. Die Moselschleife (im Bild
unten, von
der Rampe geflogen). war mein hoechstes Abenteuer in der "Affenschaukel". Da ich heute von solchen
Fluggeraeten
tatsaechlich ein wenig Ahnung habe, straeuben sich mir noch die
Haare.
Aber lassen wir das Thema, es ist ja nichts passiert. Mir jedenfalls
nicht,
andere leben schon lange nicht mehr.
Dann, statt eine klassische Karriere zu beginnen, habe ich angefangen
ein
seltsames Flugzeug zu konstruieren. Ich wollte nicht einsehen, dass ein
Flugzeug abschmiert oder trudelt, wenn es unerkannt von einem
unerfahrenen
Piloten drastisch an Geschwindigkeit verliert. Darauf gehen ueber 85%
aller
schlimmen Unfaelle in der Privatfliegerei auch heute noch zurueck. Das
musste
doch auch anders gehen, dachte ich und erhielt ein Patent auf meinen
Entwurf.
Samt der netten Aufforderung des Pruefers, diesen Flieger als Dank auch
wirklich zu
bauen.

Das habe ich gemacht und erhielt Lob von Zulassungsstellen fuer
Idee,
Ausfuehrung und Flugeigenschaften. Aber es war ein schwieriger Weg fuer
einen
Einzelkaempfer wie mich. Spaeter hatte ich dann ein, zwei, drei
Mitarbeiter und
insgesamt haben wir in 10 Jahren 150 dieser Doppelsitzer gebaut.
In Übersee, etwa Reunion, fliegen einige von denen auch heute noch durch die Gegend.
Dieser Boxwing war sehr sicher
auch bei
schlechtem Wetter, denn verliert der Flieger aus welchen Gruenden auch
immer
drastisch an Geschwindigkeit, fliegt er einfach mit leicht erhoehtem
Sinken
voll steuerbar weiter. Mission erfuellt. Diese Flugzeuge haben
nie
versagt und waren zusammen mehr als 100.000 Stunden unterwegs.
Dazu meine Seite
www.sunny-boxwing.de.
Mein Problem damals: Ich konnte die Flugzeuge fliegen, bin auch den
Prototypen
mitgeflogen, aber ich hatte ein Problem, das mir schon beim
Drachenfliegen
an Hängen aufgefallen war: Ich konnte in der Luft nicht beurteilen, wie geneu der
Bodenverlauf
war. Ob ich auf einen Berghang zuflog oder ob es vor mir eben
war.
Seltsamer Fehler, hat aber einen Namen in der Medizin - und der lautet nicht einfach nur "blöd". Dieser
Fehler hat
mich davon abgehalten, mich durch eine Fehlbeurteilung schließlich doch noch
umzubringen. Gelinden Schiss hatte ich natuerlich auch. Haben alle, wenn es
mal stuermisch
wird.
Und jetzt zurueck zum Segeln:
Nachdem ich die Firma im Jahre 2.000 verkauft hatte, zog ich nach
Muenchen, wo schon eine langjaehrige Freundin arbeitete, die ich dann heiratete. Und
wieder
musste ein Boot her. Erst war es eine Proa, von der ich nicht einmal
ein Photo
habe, so schlimm war die Segelei auf dem Ammersee mit dem Ding, das
ja nicht
wenden konnte, sondern vorwaerts und rueckwaerts gefahren werden
musste.
Dann
doch lieber wieder so ein kleines Boot mit nur 3,3 m Laenge, dachte ich
mir. In
Muenchen war dafuer natuerlich kein Bauplatz zu finden, doch einer
meiner
besten Piloten hatte ein Hotel in Speyer und das hatte einen Hof und da
waren
einige Garagen. Dort hatte ich auch schon die Proa gebaut. Mein kleiner
Gleiter, eine Scow, war dort in 3 Wochen fertig. Besegelt mit aelteren
Surfriggs.
Ein damaliger Bekannter, Akademiekuenstler und Bildhauer, Johannes
Potzler,
wollte auch so etwas haben. Also bin ich wieder nach Speyer und habe in
10
Tagen fuer ihn den "geilen Keil" gebaut. Ein pures Boxboat-Skiff.
Johannes schwaermte "Oh, dieser Koerper!!", als er den Keil das erste
Mal sah und segelte. Siehe unten.
Beide Boote waren mit Surfsegeln unterwegs, und
nur dazu
da, um auf dem Wasser sitzen zu koennen, die Planke nach Luv
rauszuschieben und
Spass zu haben. Und wir hatten, denke ich, erstens immer kalte
Bierdosen im Gepaeck
und zweitens sehr viel Spass. Vor 25 Jahren. Da saß ich gerne andersrum auf meinem kleinen Doppelknickspant. Da war ich 50 Jahre
alt (jung).

Dann kam ein schoenes Boot. Nach einer recht schweren Knieeverletzung mit
einem
selbst entworfenen Wintersportrutscher (Schnee!) war Selbstbau nicht angesagt,
ein
fertig, aber duenn gebauter Spatz aus der Salzachwerft, 4,1 m lang, 8,5
m
Segelflaeche wurde gekauft. Baujahr 60er Jahre.
Das Boot war so rank,
dass ich
es zu Beginn mit Gummi in der Großschot gefahren bin, dann fuehlte ich
mich
irgendwann zuhause und Gummi kam in die Tonne. Gummi macht ein Boot
uebrigens
langsamer, weil die viele kleinen Druckstoesse ins Gummi gehen und
nicht in die
Speed. Fast 20 Jahre bin ich damit jeden Sommer gesegelt, das Deck
musste
dazwischen 2x komplett erneuert werden, wieder in Speyer. Wo sonst.

,
Hier der "Spatz" beim Angleiten. Typisch fuer diese Bootsform mit
breiter
Brust
und schmalem Heck (Typ verkleinerter Korsar) war das "Starten mit
steigendem Bug" - ein tolles Gefuehl. Fast schon Fliegen. Zum
Ende
aber machte das Boot, das immer draussen unter ein Plane bzw.
Persenning lag,
bei mehr Wind dann Geraeusche, dass Sabine, meine Frau, eigentlich eine
Windhexe, bei Wind tatsaechlich Angst bekam. Das leichte und
duenngebaute Boot
war weich geworden.
Ein Rumaene wollte es trotzdem haben und er segelt
damit
jetzt im Baerenland.
Dann kamen in schnellem Wechsel ein Laser, eine blaue
"Hafenbarkasse", die nie aus den Poetten kam, ein alter oranger
Trainer, dann erneut ein duennes Sperrholzboot von der Salzachwerft,
das ich im
Garten in einem Zelt renovierte und auf das jemand vor dem Lackieren
aus
Bosheit WD 40 gesprueht hatte. (Gell, Herr Dr. Nachbar) Der Lack verlaeuft sich dann zu
Mondkratern.
Trotzdem sah das Boot zum Schluss nett aus, segelte aber nicht wie mein
alter
Spatz. Es ging dann bald an den Tegernsee.
Und dann kam wieder der Wunsch nach einem eigenen Entwurf auf. Mit
einem Segel,
dass seine Spieren komplett innen traegt. Fast schon ein Fluegel. Ein
giftiger
"Fluegel", wie sich herausstellen sollte. Doch zurueck zum Boot - zum
Bootskoerper.
Von Sperrholz hatte ich die Nase voll, aber dafuer viel
ueber
Paulownia gelesen, einem extrem leichten Plantagenholz, wasser- und
faeulnisresistent.
Bauen, oelen, fertig - das schien mir moeglich zu sein. Bauplatz gab es
natuerlich keinen in Muenchen. Wo Platz gewesen waere, stand ein
Oldtimer drin. Dann
lernte
ich auf dem Bootsliegeplatz einen juengeren Mann kennen, der die
Wasserwacht
mit seinen Segelversuchen beschaeftigte.
Er kaufte sich nach seinen
Versuchen
mit einem Klepper "Faltboot mit Kiel und Auslegern" eine alte Moehre, einen Klepper
Capitano, am Platz (bei Stegen) und moebelte diesen huebsch auf. Sogar neue Segel
erhielt
das alte Boot.
Dem erzaehlte ich von meinem Plan, ein einfaches, offenes
Flachbodenboot aus 18 mm starkem Paulownia aus dem Baumarkt zu bauen.
Ohne
Spanten und Spieren, stumpf mit Epoxi verklebt. Er zweifelte, wohnte
aber in einem alten Gehoeft, und ich bot Geld fuer den
Versuch. So entstand ueber dem ehemaligen Kuhstall ein Geviert mit
Folie. Der Mann war als glernter Messebauer geschickt im Besorgen von
Baumaterial, sodass er auch eine gute
Helling
bauen konnte.
Meines Erachtens zuviel Aufwand, aber bitte, man soll nicht undankbar sein.
Als der
Rohbau
"Typ Sarg" stand, fiel dem Helfer auf, dass der Frontspiegel, den ich wegen des einfachen Bauens vorgesehen
hatte, doch bloed sei. Er wollte eine
Spitze dran bauen. - Bitte, gerne, dann
mach'
mal. Darueber vergingen zusammen mit den Dollboards Monate, in denen er
winters
alleine werkelte. Die Spitze sah dann aber gut aus.
Danach kuemmerte ich mich um die Schleiferei
und
wollte
das Boot zunaechst nur ölen, kein Lack, dafür mit dem besten ÖL, das es fuer Geld zu
kaufen
gab - Osmo. Aber das Oel schlug an den
Fugen der Leimholzplatte durch den Bootsboden durch, die Paulownia- Platten aus
dem Baumarkt waren das Geld nicht wert. Auch nicht für einen Versuch.
Also Boot auf den Kopf und
aussen mit
Glasgewebe und Epoxi beschichtet. Wieder Schleiferei, mein Ruecken
schrie mich
laut an, ob ich verrückt sei. (Erst 2 Jahre spaeter zeigt ein MRTdort
einen Bandscheibenvorfall, der mich auch heute noch daran hindert lange
zu gehen oder mich nach vorne zu beugen.) - Opfer müssen gebracht
werden, meinte Lilienthal vor seinem Tod.
Danach innen mit Osmo "rutschfest" oelen und aussen die teuerste Hausfarbe drauf, denn
auch die ist garantiert wasserfest (fragen Sie mal Ihr Haus) - nur eben nicht
für lange Liegezeiten im Wasser geeignet.
"Email-Gloss" sollte dieser Bau ja sowieso nicht sein. - Und so ist es
bis heute noch.
Der Versuch mit Paulownia war also doch noch geglueckt.
Mein Helfer bekam nun 2.000 Euro von mir, Material und alles drumherum
hatte ich
natuerlich bezahlt. Trotzdem blieb noch genug Geld, um Naehmaschinen zu
ruinieren, weil ich unbedingt mein Doppelsegel mit innenliegenden
Spieren
ausprobieren wollte. Unten im Bild ist es zu sehen. Ich glaube, dieser
Aufbau
eines Riggs ist einmalig auf der Welt, aber es braucht wirklich einen
Segelmacher und entschiedene Mitstreiter, wenn man sowas auf den Markt
bringen oder auch nur ohne Muehe riggen und segeln will.
Mein Helfer
wollte davon nichts wissen und ich war
mit
Anfang 70 damals wohl schon zu alt, um mit mehr Verve dafür zu werben.
Und ja, wenn man das Segel so stramm zwischen den Spieren spannt,
sollte der Computer mit dem Segelmacher eine schöne Abwicklung fürs
Profil einbauen. Bei mir blieb es bei einer Kurve im Vorliek wie vor
150 Jahren - auch das macht einen Bauch (im Segel). Sah gut aus das
Doppelsegel mit den "unsichtbaren" Spieren dazwischen, aber es zog
nicht gut. Ums Verrecken nicht. Schon Herreshoff, ein berühmter
Desigrener aus der vorletzten Jahrhundertwende fluchte über "tote
Luft" im Segel. - Ich nun auch, unberühmt.
Und ja: Wer weiss, dass einfache Kastenboote aus Vollholz wie
dieses
frueher in
den USA an einem Tag fuer 50 Dollar gebaut wurden, nach Augenmass und
Erfahrung, und getränkt mit Kerosin und dass die Besegelung
und Ruder etc. noch einmal das
Dreifache
kosteten, der weiss auch: Der Bootskoerper ist nur die halbe Miete, auch
wenn man
ihn, wie bei mir, nur oelen smuss, wenn man vernünftiges (kochfest verleimtes) Paulownia bekommt.
Ein ordentlicher Aufwand liegt immer auch in den Segeln und
allem, was
es sonst noch braucht: Also Ruder, Schwert, Beschlaege und so fort. Und
dann
noch der Aufwand, alles zum Laufen zu bringen. Wobei das Naehen im
Wohnzimmer
oder draussen grosser Mist ist. Aber es wurde alles fertig.
Erprobung dann bei Beaufort 4-5. Es wehte ordentlich in den Baeumen und
der See
hatte kleine weisse Kappen zum Fest aufgezogen.
Das Boot war aber ohne
Zweifel
das langsamste Boot, dass ich je konstruiert hatte. Der stolze Helfer
war
ob dieser Bemerkung von mir sehr erbost und enttaeuscht. Sein Boot! Und
langsam! Pah! - Es lag ja nicht an ihm, es
lag am
Doppelsegel.
Also ein neues Doppelsegel, vorne offen wie ein
Gleitschirm, dann
wieder geschlossen und so fort wechselte es sich ab. Es wurde nicht
besser, die
Leeseite des Segels, also die wichtigere, zog einfach nicht, hing nur
herunter.
Stichwort: Tote Luft im Segel. Das Boot war also lahm und ich bald restlos kreuzlahm von dem ganzen
sinnlosen
Aufwand. Zwei zerstoerte Nähmaschinen habe ich noch.
Manchmal aber zog das Segel auch unerwartet "wie bloede" und zeigte,
was in
ihm
steckt - eine Kenterung zum Beispiel. Das erste Mal für mich am
Ammersee in 25 Jahren. Ausgerechnet jetzt, mit über 70 fliege ich
im Bogen ins Wasser, und die Pumpe, die das Boot lenzen sollte nach einer
Kenterung hatte vor Schreck den Lenzschlauch verloren. - Mist!
Schließlich habe ich ein einfaches Segel entworfen und in Uebersee
bestellt,
preisguenstig, damit segle ich heute. Das Boot ist auch flott,
denn bei BF
4 erreicht man auch mal kurz 8 Knoten. Das ist nicht viel viel
fuer
heutige, fertig gekaufte leichte Rutscher mit Carbon und allem was gut
und
teuer ist. (Mein Helfer hat sich so ein Ding gekauft und
berichtet als Anfänger von
seinen Versuchen, die 15-Knoten-Marke zu knacken. Juchhuuuuu!)
Davon kann bei mir
keine Rede
sein, doch fuer ein besseres Ruderboot sind 5 kn (easy) und 8 kn (mit "Altmännerangst") völlig in Ordnung, meine
ich. Was dagegen schon immer schlecht war und es heute noch ist bei
diesen
Flachbodenbooten:
Hat
man Welle und wenig Wind, dann haemmern solche
Boote mit
dem Bug. Es war ein Fehler von mir, solch ein Boot zu leicht zu bauen.
Diese Boote hatten frueher Boeden, Seiten und auch Spanten aus
klassischem Holz, oft zolldick. Sie waren also recht schwer.
150 kg Minimum bei meiner Bootsgröße - leer. Manche auch 250 kg. Meines
wiegt zwischen 40 und 50 kg leer.
Zurück zum Segeln.
Kluger Spruch zum Segeln solcher Plattbodenboote von
allen Seiten: Du musst das Boot auf der Kante
segeln,
dann schneidet es wie Butter durch die Wellen! Wie
Butter,
mindestens.
Es gibt aber auch ein grosses ABER:
Bei wenig Wind und
trotzdem
Welle muss man sich bei einem horizontal sehr stabil liegenden
Flachbodenboot nach Lee setzen, um das hohe aufrichtende Anfangsmoment
zu
ueberwinden, um also auf
die Kante zu kommen - um dann dort nachzuschauen, wo denn die "Butter"
bleibt.
Ist die endlich eingetroffen, fehlt allerdings nur noch ein Hauch und
man liegt im
Bach.
1,03 m Bootsbreite in der Wasserlinie sind nicht viel und die
Stabilitaetskurve von Flachbodenbooten ist eine kleine
Katastrophe: sie faellt ploetzlich steil ab - und man selbst ins Wasser.
Man kann natuerlich von Lee aus segeln, um das Boot auf die
Kante zu
bringen. Zumindest am Schreibtisch funktioniert das "wie nichts". Helden werden ja immer
leicht geboren, ganz ohne Kaiserschnitt.
Die 12jaehrigen im Optimisten machen es auch gerne vor - und sogar
einen
Handstand auf dem Bootsboden vorm Wind.
Mit Mitte 70 tut man sich da
eher
schwer, kann ich gerne versichern.
Der einzige Grund fuer ein
Flachbodenboot ist fuer mich denn auch die einfachste Bauweise und die Tatsache, dass man
so ein
Boot vom Boden aus segelt. Also mit dem Rücken
an der Luvseite angelehnt. Fest auf dem Boden sitzend. Wo man
bitte auch sitzen bleibt und die aufkommenden Boen mit der Schot
und/oder mit dem Kurs
abfaengt.
Nicht etwa durch Turnen!
Sagt der Papst aller selbst zu bauenden Flachbodenboote, Phil Bolger. (Leider auch schon tot.)
Das Segeln vom Boden aus geht auch ganz gut, wenn man etwas
aufpasst, nicht gerade die volle 1-Liter-Flasche am Mund und auch kein
Segel hat, dass ploetzlich den Halbstarken rauslässt, wenn ein Boe
einfällt. Unten im Bild
ein etwas kleineres, selbstgebautes Einfach-Segel.

Trotzdem
sind
Flachbodenjolle ohne Ballast und Sitzposition nichts fuer Verhaeltnisse, bei denen der Wind bei
angenehmen 3 Bf sprunghaft zu Boen von 5-6 Bf wechselt. Das gab
es frueher
am Ammersee kaum, jetzt öfter.Frueher war eben alles besser.
Der Wind, der Mut - und ja, auch die Wasserflaschen. Eben alles!
So, das war es schon fast zum Thema Boote bauen. Es
gaebe noch
viel zu sagen, aber statt dessen lieber ein klares
Fazit:
Boote bauen macht Spass, wenn man einen Raum hat. Boote segeln
auch, Altwerden eher nicht. Doch
dafuer
habe ich ja jetzt schon fast das richtige Boot. Aus warmem
Vollholz - denn
Paulownia sei Dank. Das Holz gibt es bei "IPaulownia" im Internet.
Meines kam von einem Baumarkt - und so war es dann leider auch.
Unten das Boot mit dem in Uebersee gefertigten Segel. Das ist nicht
"unglaublich viel besser" als das selbst genaehte, aber es wird laenger
halten, weil es auf einer vernuenftigen Maschine genaeht wurde. (Einen
Riss hat es trotzdem bekommen, habe ich Mai 2026 bemerkt, obwohl ich
das Boot noch nicht im Wasser hatte. Im Juli bekommt es wieder nasse
Fueße - und ich hoffentlich keine kalten.)
Danke fuer die Aufmerksamkeit
Kontakt bitte ueber schulzhoosdieter@gmail.com oder 0172 4384567 oder
am Bootsplatz Hörhammer und Maier, wo die Rasenmäher jetzt schon 25
Jahre alt sind, aber immer noch laufen wie am Schnürchen (wenn sie
anspringen). - Früher war eben alles besser!